© Perry Payne / Amy Graham
Perry Payne - Autor

Perrys Autorenratgeber

Angehende Autoren haben viele Fragen zum Schreiben. Der Autorenratgeber zeigt die Grundlagen von der Idee bis zur Vermarktung auf. Dieser Service startet Anfang 2019 und wird regelmäßig erweitert und später nach Inhalten sortiert.

INHALT

Was Torte backen mit einem Buch zu tun hat - Oder Erfahrung ist eine Zutat zum kreativen Schreiben. Mit der richtigen Einstellung zum Erfolg Dynamik und Stimmung mit Geschwindigkeit erreichen (Speed in novel)
Menschen   haben   Träume   und   manchmal   sogar   Ziele,   die   sie   mehr   oder weniger   verfolgen.   Mein   Traum   war   es   nie,   ein   Schriftsteller   zu   sein, und    doch    habe    ich    in    den    vergangenen    Jahren    dreizehn    Romane verfasst   und   noch   ein   paar   weitere   angefangen,   verworfen   oder   auf   Eis gelegt.    Dabei    waren    es    anfangs    nicht    mal    die    Geschichten    oder einfallsreiche   Aneinanderreihungen   von   Worten,   die   beeindrucken   und etwas   nie   Gesagtes   verdeutlichen   sollten.   Bei   mir   war   es   die   Faszination der       Vorstellung       einer       eigenen       Welt       mit       Charakteren       und Gegebenheiten,   die   ich   selbst   beeinflussen   konnte,   wie   es   die   Kinder tun,   wenn   sie   Cowboy   und   Indianer   oder   Kaufmannsladen   spielen.   Nur viel    komplexer    und    ohne    dass    ein    anderes    Balg    in    den    Werdegang eingreift. Auf    dem    Weg    der    vergangenen    Jahre    habe    ich    viele    angehende Autoren/innen    kenngelernt,    die    mit    unterschiedlichen    Motivationen und   Intuitionen   daherkamen.   Wer   seinen   Traum   in   die   Tat   umgesetzt hat,   war   vielen   anderen   bereits   einen   gewaltigen   Schritt   voraus.   Das große   Ziel,   einen   eigenen   Roman   geschrieben   zu   haben,   haben   jedoch längst   nicht   alle   von   ihnen   erreicht,   und   andere   werden   noch   scheitern. Am   eigenen   Antrieb,   an   der   Motivation,   am   Ehrgeiz   und   den   Glauben an    das    eigene    Tun,    oder    schlicht    an    der    Vermarktung    oder    der Verlagssuche.   Ich   kenne   Autorinnen,   die   über   viele   Jahre   hinweg   an ihrem    Werk    gearbeitet    haben    und    stehen    noch    immer    am    Anfang, andere   haben   sich   in   Schreibratgebern   und   den   Informationen   über das   Schreiben   verloren.   Natürlich   gibt   es   auch   die   Schriftsteller/innen, die es geschafft haben. Jeder   hat   bestimmt   schon   einmal   die   Worte   gehört,   dass   man   alles erreichen    kann,    was    man    will.    Generell    halte    ich    diese    Aussage    für Bullshit.    Selbstverständlich    ist    die    eigene    Motivation    essentiell    um Dinge   zu   erlangen   und   etwas   zu   bewegen,   doch   das   bedeutet   noch längst    nicht,    dass    jeder    alles    kann.    Zumindest    nicht    perfekt.    Nicht umsonst   hat   uns   die   Natur   die   Vielfalt   gegeben,   die   beim   Aussehen   der Menschen    beginnt    und    noch    längst    nicht    beim    Charakter    und    den Fähigkeiten endet.

Meines Erachtens benötigt ein guter Schriftsteller

jedenfalls mehr als die richtige Technik und das

Wissen über korrektes Schreiben.

Meines   Erachtens   benötigt   ein   guter   Schriftsteller   jedenfalls   mehr   als die   richtige   Technik   und   das   Wissen   über   korrektes   Schreiben,   auch wenn    das    zweifellos    wichtig    ist.    Eine    schwache    oder    belanglose Persönlichkeit   wird   mit   großer   Wahrscheinlichkeit   auch   nur   flache   Texte zustande    bringen.    Extremsituationen    formen    die    Menschen,    andere haben      eine      fulminante      Fantasie      und      wieder      andere      können Zusammenhänge     schnell     erkennen     und     mit     einfachen     Worten verständlich erklären. Nicht   die   Aussicht   auf   das   fertige   Buch   in   den   Regalen   des   Buchladens sollte   einem   guten   Schriftsteller   die   Motivation   verleihen,   sondern   der unstillbare    Durst,    die    Sehnsucht    und    Hingabe    zu    einem    Thema.    Im
Grunde   sollte   der   Prozess   nicht   kommerziell   geprägt   sein.   Deswegen halte   ich   es   für   keine   gute   Idee,   einem   Trend   nachzujagen,   und   einen Harry    Potter,    Twighlight    oder    Shades    of    Gray    aus    eigener    Sicht    zu nachzuschreiben, falls es nicht lediglich der Übung dient. Wer   einmal   mit   dem   Schreiben   begonnen   hat,   merkt   sehr   schnell,   wie viel    Zeit    ein    Buch    von    250    bis    500    Seiten    in    Anspruch    nimmt.    Über 100.000   Wörter   schreiben   sich   schließlich   nicht   von   selbst.   Und   wenn der   Roman   fertig   ist,   beginnt   nach   dem   kreativen   Prozess   die   eigentliche Arbeit.     Dabei     spreche     ich     noch     nicht     einmal     vom     aufwendigen Marketing.   Ich   selbst   überarbeite   die   Texte   mehrfach,   verwerfe   Episoden und   schreibe   um,   lasse   den   Roman   einige   Monate   „reifen“   und   beginne erneut mit der Korrektur.

Die Emotionen können nur in den Text fließen, wenn

ich mit ganzem Herzen bei der Sache bin.

Es   wird   ein   gutes   Buch,   wenn   ich   in   der   Schlange   im   Supermarkt   an   das Thema   denke,   oder   abends   im   Bett,   beim   Autofahren   oder   beim   Essen. Die   Emotionen   können   nur   in   den   Text   fließen,   wenn   ich   mit   ganzem Herzen   bei   der   Sache   bin.   Andernfalls   wird   es   am   Ende   maximal   ein technisch   ausgereiftes   Werk.   Nichts,   was   unter   die   Haut   geht   und   nichts, was in Erinnerung bleibt. Der   kreative   Schreibprozess   verändert   Menschen,   den/die   Leser/in   und noch   viel   mehr   die   Schreibenden   selbst.   Schriftsteller   reagieren   anders als   ihre   nichtschreibenden   Artgenossen.   Permanent   stellen   sie   infrage, verlieren   sich   zu   unmöglichen   Momenten   in   Gedanken,   sind   abwesend und    handeln    völlig    überraschend,    manchmal    andersartig.    Außerdem brauchen   sie   viel   Ruhe.   Wie   gesagt   benötigt   das   eigentliche   Schreiben jede    Menge    Zeit.    Genau    diese    Zeit    müssen    sie    in    Ruhe    und    alleine verbringen.   Weder   kommt   mit   diesem   Tagesrhythmus   jeder   klar,   noch will   dieses   vermeintliche   Opfer   jeder   auf   sich   nehmen.   Auf   der   anderen Seite   brauchen   Schriftsteller   natürlich   den   Kontakt   zu   Fremden   und   die Konversation.   Schließlich   müssen   sie   Neues   erfahren,   die   Gestik   und Mimik   studieren,   und   sie   brennen   auf   unerwartete   Reaktionen,   frische Ansichten   und   andere   Meinungen.   Die   Wahrscheinlichkeit   ist   hoch,   dass diese   Erkenntnisse   an   irgend   einer   Stelle   in   irgend   ein   Projekt   einfließen werden.   So   trägt   jeder   im   Umfeld   eines   Schriftstellers   in   gewisser   Weise zu dem neuen Buch bei. Am   Ende   kommt   es   immer   darauf   an,   ein   Buch   zu   schreiben,   dass   die Leser/innen   voranbringt.   Sei   es   mit   purer   Unterhaltung,   einer   Hoffnung oder   neuen   Erkenntnissen   mit   einer   anderen   Sichtweise   auf   die   Dinge und    diese    Welt.    Und    jeder    von    ihnen    wird    zwischen    den    Zeilen erkennen,    ob    die    Geschichte    nur    aus    reinem    Eigennutz    geschrieben wurde, oder aus Liebe zu den Menschen oder dem jeweiligen Thema. Denn   letztlich   ist   es   dein   Naturell,   das,   aus   dem   was   du   tust,   etwas Gutes   hervorbringt   oder   nicht.   Es   genügt   nicht,   ein   Schriftsteller   sein   zu wollen,   du   musst   die   Themen   lieben,   vielleicht   sogar   selbst   leben   und dich   mehr   als   einmal   pro   Woche   damit   befassen.   Erst   dann   wird   ein gutes Buch daraus.
Um   den   Leser   in   die   Geschichte   zu   ziehen,   gibt   es   viele   Möglichkeiten, ihn   dort   (möglichst   bis   zum   Ende)   festzuhalten   auch.   Eine   Technik   ist die Dynamik im Text, auf die ich heute eingehen möchte.

Langsame Szenen bieten die Möglichkeit auf Details

einzugehen.

Langsame   Szenen   bieten   die   Möglichkeit   auf   Details   einzugehen,   um Umgebung,   Charaktere,   Gefühle   und   sanfte   Momente   der   Bersinnung und   Ruhe   zu   verdeutlichen.   Sie   versetzen   den   Leser   mitten   in   die   Szene hinein,    geben    ihm    ein    möglichst    exaktes    Bild    der    Ausstattung    und Gefühle.    Hier    können    Sympathien    oder    Antipathie    entwickelt    oder verdeutlicht     werden.     Der     Leser     fiebert     mit     und     bekommt     die Möglichkeit,   einfach   in   die   Geschichte   einzutauchen.   Je   Genre   kann   der langsame   Part   aber   durchaus   schnell   langweilen   und   das   Gegenteil   von Spannung     bewirken.     Deshalb     benötigt     ein     guter     Roman     ständig verschiedene Geschwindigkeiten, wie in einer Sinuskurve. Spannung    kann    gut    mit    schnellen    Szenen    aufgebaut    werden.    Viele Autoren   steigen   auf   der   ersten   Seite   damit   ein.   Denn   in   der   raschen Abfolge   passiert   in   wenigen   Sätzen   (also   in   kurzer   Zeit)   sehr   viel   und der Leser kann sich kaum entziehen. Doch wie funktionierte die Dynamik in der Praxis? Dazu   ein   Beispiel.   Lassen   wir   doch   mal   ein   Blatt   vom   Baum   fallen   und
sehen, was passiert: "Mit   dem   folgenden   Windstoß   zitterte   das   letzte   Blatt   am   kargen   Ast   ein letztes   Mal.   Es   hatte   bereits   vor   Tagen   sein   kräftiges   Grün   restlos   gegen die   Farben   der   Erde   eingetauscht   und   drehte   sich   nun   sanft,   löste   sich und   schwebte   mit   dem   Wind   davon.   (Mit   viel   schmückendem   Beiwerk können   wir   die   Szene   fast   in   Zeitlupe   erscheinen   lassen.   Jetzt   erhöhen wir das Tempo, indem wir Unwichtiges weglassen.)

Ohne direkt die Geschwindigkeit zu benennen, spürt

der Leser die große Eile in der Szene.

Das   Blatt   tanzte   Lambada,   schlug   gegen   eine   Eiche,   blieb   kleben   und vibrierte, bis der Wind es aufnahm, wild drehte und wieder fallen ließ." Ohne   zu   schreiben,   dass   es   gerade   langsam   oder   schnell   in   der   Szene zugeht,    spürt    der    Leser    genau    die    Spannung    und    die    große    Eile.    Es passiert   etwas!   Das   liegt   am   richtigen   Einsatz   von   Adjektiven   und   der Satzlänge.   Soll   also   eine   Szene   schnell   ablaufen,   bleibt   keine   Zeit   für Details.   In   möglichst   kurzer   Zeit   muss   viel   gesagt   werden,   es   muss   viel geschehen. Probiere    es    aus    und    ändere    immer    wieder    die    Dynamik    in    deinem Roman.    Baue    Spannung    auf    und    gib    dem    Leser    anschließend    eine Erholungspause. Denn die braucht er für die nächste Szene ... Nun wünsche ich euch viele kreative Stunden.

Mit der richtigen Einstellung zum Erfolg

Speed in the novel

Zunächst   könnte   man   annehmen,   dass   eine   Torte   zur   Feier   des   Tages beitragen    könnte,    wenn    ein    Buch    veröffentlicht    wurde,    oder    ein Verlagsvertrag   ins   Haus   flattert.   Aber   so   ist   es   nicht.   Ich   bin   ein   sehr neugieriger    Mensch    und    möchte    möglichst    jeden    Tag    etwas    völlig Neues     unternehmen     oder     zumindest     erfahren     und     verstehen. Deswegen    hinterfrage    ich    Dinge    nicht    nur,    indem    ich    tiefgründig recherchiere    oder    selbst    teste,    sofern    das    möglich    und    sinnvoll    ist, sondern      ich      versuche      mich      selbst.      Bei      einer      Torte      ist      das Experimentieren   natürlich   kein   Problem.   Dass   ich   selbst   keine   Torte essen mag, steht auf einem anderen Blatt.

Was macht eine Geschichte versöhnlicher als

Authentizität?

Tatsächlich   bekam   ich   beim   Backen   ein   paar   neue   Erkenntnisse,   die vielleicht   eines   Tages   in   einer   meiner   Geschichten   einfließen   werden. Denn was macht eine Geschichte versöhnlicher als Authentizität? Falls   du   dich   nun   fragst,   welche   Aufschlüsse   eine   Torte   geben   kann, möchte   ich   auf   alles   andere   verweisen,   was   du   je   selbst   getan   und erlebt    hast.    Es    ist    die    Sicht    hinter    die    Dinge.    Du    kannst    einen bestimmten   Hund   für   niedlich   erachten,   aber   wenn   du   nie   ein   Haustier hattest,   oder   dich   nie   über   viele   Jahre   hinweg   ein   Hund   begleitet   hat, bleiben   dir   jede   Menge   Gefühle   und   Erfahrungen   schlicht   verborgen. Du    kannst    über    das    Brauen    von    Bier    die    Zutaten    und    Braugeräte erfahren,    wirst    aber    nie    den    feinen    Geruch,    den    unterschiedlichen Geschmack    und    die    Gärung    kennenlernen,    wenn    du    es    nicht    selbst versucht hast.

Jeden Tag etwas Neues zu probieren, bedeutet nicht

zwangsläufig den Beginn einer andauernden

Erfolgsgeschichte.

Jeden   Tag   etwas   Neues   zu   probieren,   bedeutet   nicht   zwangsläufig   den Beginn   einer   andauernden   Erfolgsgeschichte.   Denn   all   zu   oft   kommt der   Erfolg   erst   mit   der   Übung   und   jeder   Menge   Fleiß.   Nur   bin   ich   auch der   Meinung,   wer   etwas   sehr   gut   kann,   hat   kaum   noch   Potential   es   zu verbessern. Dann wird es Zeit für etwas völlig Neues. Ich   konnte   jedenfalls   mit   dem   Ergebnis   der   ersten   selbstgemachten Torte    zufrieden    sein.    Sie    war    überaus    lecker.    Damit    hatte    ich    nicht unbedingt    gerechnet.    Falls    ich    allerdings    jemals    wieder    eine    Torte backen   sollte   (was   ich   nicht   vorhabe),   kann   ich   noch   einiges   verbessern
und    werde    möglicherweise    eine    fehlerhafte    Backanleitung,    wie    es    in meinem   Fall   war,   im   Vorfeld   besser   einschätzen   und   abändern   können. Zumindest   habe   ich   einiges   gelernt.   Zum   Beispiel   was   hinter   Biskuitteig steckt.   Wer   ihn   noch   nicht   selbst   gebacken   hat,   wird   kaum   wissen,   dass darin    kaum    Mehl    enthalten    ist.    Der    größte    Anteil    sind    Eischnee    und Eigelb.   Zwieback   ist   mehrfach   gebackenes   Biskuit   und   wird   sehr   locker   - also    voluminös    -,    weil    in    dem    aufgeschäumten    Eiweiß    sehr    viel    Luft steckt.

Mir geht es nicht ums Backen selbst, sondern um

Erkenntnisse und die Hintergründe.

Laut   Rezept   habe   ich   Buchweizen   verwendet,   und   ich   habe   mich   gefragt, was    das    eigentlich    ist.    Getreide?    Nein.    Damit    hat    es    nichts    zu    tun. Buchweizen     ist     ein     Knöterichgewächs     und     frei     von     Gluten     und Weizenlektinen.   Was   Gluten   ist,   dürfte   bekannt   sein.   Bei   den   Lektinen musste   ich   nachsehen.   Denn   mir   geht   es   nicht   ums   Backen   selbst   (oder was   auch   immer),   sondern   um   Erkenntnisse   und   die   Hintergründe   dazu. So     weiß     ich     nun,     dass     Lektine     im     Körper     sich     mit     den     roten Blutkörperchen    verbinden    können    und    somit    das    Blut    zähflüssiger machen.   Die   Folge   sind   Durchblutungsstörungen   und   im   schlimmsten Fall,   also   bei   Langzeitanwendung,   die   bekannten   Folgen,   wie   Schlaganfall und Herzinfarkt. Tortebacken      ist      sehr      viel      mehr      als      Mehl,      Eier      und      Zucker zusammenschütten.   Es   ist   mehr   als   die   kreative   Dekoration   und   sogar mehr   als   die   feinen   Kniffe   eines   Bäckermeisters.   Zum   Beispiel   habe   ich das   erste   Mal   in   meinem   Leben   sahnesteif   verwendet   und   mich   gefragt, warum   es   die   Schlagsahne   überhaupt   fest   macht,   wie   das   funktioniert und    was    enthalten    ist.    Ich    brauche    Input,    und    fand    zwei    wesentliche Dinge   heraus.   Zum   einen   enthält   Sahnesteif   E341   (Tricalciumphosphat), ein,   aus   meiner   Sicht,   bedenklicher   Zusatzstoff,   zum   anderen   kann   man auch    normale    Speisestärke    verwenden    oder    sich    selbst    ganz    einfach Sahnesteif aus Johannisbrotkernmehl und Puderzucker herstellen.

Ein ehrliches Interesse an den Zusammenhängen.

Natürlich   schafft   nicht   nur   backen   neue   Erkenntnisse,   sondern   alles,   was wir   in   unserem   Leben   tun   und   wofür   wir   uns   interessieren.   Ich   probiere jedenfalls   wieder   etwas   Neues   aus.   Zum   Beispiel   bin   ich   noch   niemals mit einem Fallschirm aus einem Flugzeug gesprungen. Denn zweifelsfrei bereichern Erfahrung und Wissen deine Geschichten.

Was Torte backen mit einem Buch zu tun hat

© Perry Payne / Amy Graham
Perry Payne Autor

Perrys

Autorenratgeber

Angehende Autoren haben viele Fragen zum Schreiben. Der Autorenratgeber zeigt die Grundlagen von der Idee bis zur Vermarktung auf. Dieser Service startet Anfang 2019 und wird regelmäßig erweitert und später nach Inhalten sortiert.

INHALT

Was   Torte   backen   mit   einem   Buch   zu   tun   hat   - Oder    Erfahrung    ist    eine    Zutat    zum    kreativen Schreiben. Mit der richtigen Einstellung zum Erfolg Dynamik und Stimmung mit Geschwindigkeit erreichen (Speed in novel)
Menschen   haben   Träume   und   manchmal   sogar   Ziele,   die   sie   mehr oder   weniger   verfolgen.   Mein   Traum   war   es   nie,   ein   Schriftsteller   zu sein,    und    doch    habe    ich    in    den    vergangenen    Jahren    dreizehn Romane   verfasst   und   noch   ein   paar   weitere   angefangen,   verworfen oder    auf    Eis    gelegt.    Dabei    waren    es    anfangs    nicht    mal    die Geschichten   oder   einfallsreiche   Aneinanderreihungen   von   Worten, die   beeindrucken   und   etwas   nie   Gesagtes   verdeutlichen   sollten.   Bei mir   war   es   die   Faszination   der   Vorstellung   einer   eigenen   Welt   mit Charakteren     und     Gegebenheiten,     die     ich     selbst     beeinflussen konnte,   wie   es   die   Kinder   tun,   wenn   sie   Cowboy   und   Indianer   oder Kaufmannsladen   spielen.   Nur   viel   komplexer   und   ohne   dass   ein anderes Balg in den Werdegang eingreift. Auf    dem    Weg    der    vergangenen    Jahre    habe    ich    viele    angehende Autoren/innen   kenngelernt,   die   mit   unterschiedlichen   Motivationen und     Intuitionen     daherkamen.     Wer     seinen     Traum     in     die     Tat umgesetzt   hat,   war   vielen   anderen   bereits   einen   gewaltigen   Schritt voraus.    Das    große    Ziel,    einen    eigenen    Roman    geschrieben    zu haben,    haben    jedoch    längst    nicht    alle    von    ihnen    erreicht,    und andere     werden     noch     scheitern.     Am     eigenen     Antrieb,     an     der Motivation,   am   Ehrgeiz   und   den   Glauben   an   das   eigene   Tun,   oder schlicht    an    der    Vermarktung    oder    der    Verlagssuche.    Ich    kenne Autorinnen,   die   über   viele   Jahre   hinweg   an   ihrem   Werk   gearbeitet haben   und   stehen   noch   immer   am   Anfang,   andere   haben   sich   in Schreibratgebern     und     den     Informationen     über     das     Schreiben verloren.    Natürlich    gibt    es    auch    die    Schriftsteller/innen,    die    es geschafft haben. Jeder   hat   bestimmt   schon   einmal   die   Worte   gehört,   dass   man   alles erreichen   kann,   was   man   will.   Generell   halte   ich   diese   Aussage   für Bullshit.   Selbstverständlich   ist   die   eigene   Motivation   essentiell   um Dinge   zu   erlangen   und   etwas   zu   bewegen,   doch   das   bedeutet   noch längst   nicht,   dass   jeder   alles   kann.   Zumindest   nicht   perfekt.   Nicht umsonst   hat   uns   die   Natur   die   Vielfalt   gegeben,   die   beim   Aussehen der   Menschen   beginnt   und   noch   längst   nicht   beim   Charakter   und den Fähigkeiten endet. Meines   Erachtens   benötigt   ein   guter   Schriftsteller   jedenfalls   mehr als   die   richtige   Technik   und   das   Wissen   über   korrektes   Schreiben, auch     wenn     das     zweifellos     wichtig     ist.     Eine     schwache     oder belanglose   Persönlichkeit   wird   mit   großer   Wahrscheinlichkeit   auch nur   flache   Texte   zustande   bringen.   Extremsituationen   formen   die Menschen,    andere    haben    eine    fulminante    Fantasie    und    wieder andere     können     Zusammenhänge     schnell     erkennen     und     mit einfachen Worten verständlich erklären. Nicht    die    Aussicht    auf    das    fertige    Buch    in    den    Regalen    des Buchladens     sollte     einem     guten     Schriftsteller     die     Motivation verleihen,     sondern     der     unstillbare     Durst,     die     Sehnsucht     und Hingabe    zu    einem    Thema.    Im    Grunde    sollte    der    Prozess    nicht kommerziell    geprägt    sein.    Deswegen    halte    ich    es    für    keine    gute Idee,   einem   Trend   nachzujagen,   und   einen   Harry   Potter,   Twighlight oder   Shades   of   Gray   aus   eigener   Sicht   zu   nachzuschreiben,   falls   es nicht lediglich der Übung dient. Wer   einmal   mit   dem   Schreiben   begonnen   hat,   merkt   sehr   schnell, wie   viel   Zeit   ein   Buch   von   250   bis   500   Seiten   in   Anspruch   nimmt. Über    100.000    Wörter    schreiben    sich    schließlich    nicht    von    selbst. Und   wenn   der   Roman   fertig   ist,   beginnt   nach   dem   kreativen   Prozess die   eigentliche   Arbeit.   Dabei   spreche   ich   noch   nicht   einmal   vom aufwendigen   Marketing.   Ich   selbst   überarbeite   die   Texte   mehrfach, verwerfe    Episoden    und    schreibe    um,    lasse    den    Roman    einige Monate „reifen“ und beginne erneut mit der Korrektur. Es   wird   ein   gutes   Buch,   wenn   ich   in   der   Schlange   im   Supermarkt   an das    Thema    denke,    oder    abends    im    Bett,    beim    Autofahren    oder beim   Essen.   Die   Emotionen   können   nur   in   den   Text   fließen,   wenn ich   mit   ganzem   Herzen   bei   der   Sache   bin.   Andernfalls   wird   es   am Ende   maximal   ein   technisch   ausgereiftes   Werk.   Nichts,   was   unter die Haut geht und nichts, was in Erinnerung bleibt. Der   kreative   Schreibprozess   verändert   Menschen,   den/die   Leser/in und   noch   viel   mehr   die   Schreibenden   selbst.   Schriftsteller   reagieren anders   als   ihre   nichtschreibenden   Artgenossen.   Permanent   stellen sie   infrage,   verlieren   sich   zu   unmöglichen   Momenten   in   Gedanken, sind     abwesend     und     handeln     völlig     überraschend,     manchmal
andersartig.   Außerdem   brauchen   sie   viel   Ruhe.   Wie   gesagt   benötigt das    eigentliche    Schreiben    jede    Menge    Zeit.    Genau    diese    Zeit müssen    sie    in    Ruhe    und    alleine    verbringen.    Weder    kommt    mit diesem   Tagesrhythmus   jeder   klar,   noch   will   dieses   vermeintliche Opfer    jeder    auf    sich    nehmen.    Auf    der    anderen    Seite    brauchen Schriftsteller      natürlich      den      Kontakt      zu      Fremden      und      die Konversation.    Schließlich    müssen    sie    Neues    erfahren,    die    Gestik und   Mimik   studieren,   und   sie   brennen   auf   unerwartete   Reaktionen, frische   Ansichten   und   andere   Meinungen.   Die   Wahrscheinlichkeit   ist hoch,   dass   diese   Erkenntnisse   an   irgend   einer   Stelle   in   irgend   ein Projekt     einfließen     werden.     So     trägt     jeder     im     Umfeld     eines Schriftstellers in gewisser Weise zu dem neuen Buch bei. Am   Ende   kommt   es   immer   darauf   an,   ein   Buch   zu   schreiben,   dass die   Leser/innen   voranbringt.   Sei   es   mit   purer   Unterhaltung,   einer Hoffnung   oder   neuen   Erkenntnissen   mit   einer   anderen   Sichtweise auf   die   Dinge   und   diese   Welt.   Und   jeder   von   ihnen   wird   zwischen den   Zeilen   erkennen,   ob   die   Geschichte   nur   aus   reinem   Eigennutz geschrieben   wurde,   oder   aus   Liebe   zu   den   Menschen   oder   dem jeweiligen Thema. Denn   letztlich   ist   es   dein   Naturell,   das,   aus   dem   was   du   tust,   etwas Gutes   hervorbringt   oder   nicht.   Es   genügt   nicht,   ein   Schriftsteller sein   zu   wollen,   du   musst   die   Themen   lieben,   vielleicht   sogar   selbst leben   und   dich   mehr   als   einmal   pro   Woche   damit   befassen.   Erst dann wird ein gutes Buch daraus.

Mit der richtigen Einstellung

zum Erfolg

Speed in the novel

Um     den     Leser     in     die     Geschichte     zu     ziehen,     gibt     es     viele Möglichkeiten,   ihn   dort   (möglichst   bis   zum   Ende)   festzuhalten   auch. Eine   Technik   ist   die   Dynamik   im   Text,   auf   die   ich   heute   eingehen möchte. Langsame   Szenen   bieten   die   Möglichkeit   auf   Details   einzugehen,   um Umgebung,      Charaktere,      Gefühle      und      sanfte      Momente      der Bersinnung    und    Ruhe    zu    verdeutlichen.    Sie    versetzen    den    Leser mitten   in   die   Szene   hinein,   geben   ihm   ein   möglichst   exaktes   Bild   der Ausstattung   und   Gefühle.   Hier   können   Sympathien   oder   Antipathie entwickelt    oder    verdeutlicht    werden.    Der    Leser    fiebert    mit    und bekommt   die   Möglichkeit,   einfach   in   die   Geschichte   einzutauchen.   Je Genre   kann   der   langsame   Part   aber   durchaus   schnell   langweilen   und das   Gegenteil   von   Spannung   bewirken.   Deshalb   benötigt   ein   guter Roman     ständig     verschiedene     Geschwindigkeiten,     wie     in     einer Sinuskurve. Spannung   kann   gut   mit   schnellen   Szenen   aufgebaut   werden.   Viele Autoren   steigen   auf   der   ersten   Seite   damit   ein.   Denn   in   der   raschen Abfolge   passiert   in   wenigen   Sätzen   (also   in   kurzer   Zeit)   sehr   viel   und der Leser kann sich kaum entziehen. Doch wie funktionierte die Dynamik in der Praxis? Dazu   ein   Beispiel.   Lassen   wir   doch   mal   ein   Blatt   vom   Baum   fallen und sehen, was passiert: "Mit   dem   folgenden   Windstoß   zitterte   das   letzte   Blatt   am   kargen   Ast ein   letztes   Mal.   Es   hatte   bereits   vor   Tagen   sein   kräftiges   Grün   restlos gegen   die   Farben   der   Erde   eingetauscht   und   drehte   sich   nun   sanft, löste     sich     und     schwebte     mit     dem     Wind     davon.     (Mit     viel schmückendem    Beiwerk    können    wir    die    Szene    fast    in    Zeitlupe erscheinen     lassen.     Jetzt     erhöhen     wir     das     Tempo,     indem     wir Unwichtiges weglassen.) Das   Blatt   tanzte   Lambada,   schlug   gegen   eine   Eiche,   blieb   kleben   und
vibrierte,   bis   der   Wind   es   aufnahm,   wild   drehte   und   wieder   fallen ließ." Ohne    zu    schreiben,    dass    es    gerade    langsam    oder    schnell    in    der Szene   zugeht,   spürt   der   Leser   genau   die   Spannung   und   die   große Eile.   Es   passiert   etwas!   Das   liegt   am   richtigen   Einsatz   von   Adjektiven und   der   Satzlänge.   Soll   also   eine   Szene   schnell   ablaufen,   bleibt   keine Zeit   für   Details.   In   möglichst   kurzer   Zeit   muss   viel   gesagt   werden,   es muss viel geschehen. Probiere   es   aus   und   ändere   immer   wieder   die   Dynamik   in   deinem Roman.   Baue   Spannung   auf   und   gib   dem   Leser   anschließend   eine Erholungspause. Denn die braucht er für die nächste Szene ... Nun wünsche ich euch viele kreative Stunden.